Drive by Carsharing im Test

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Seit dem 1. Mai 2017 gibt es in Berlin einen neuen Carsharing-Anbieter. Drive by Carsharing möchte den Markt aufmischen und rechnet nach gefahrenen Kilometern und nicht nach Minuten ab. Slogans wie „milesnotminutes“ oder „enjoytheride“ sollen verdeutlichen, dass es sich mit Drive by einfach entspannter fahren lässt. Ob das stimmt, zeigen wir in diesem Drive by Carsharing Test.

Start in Berlin

Gestartet wurde das Angebot in der Hauptstadt Berlin. Hier gibt es die mit Abstand meisten Carsharing-Anbieter in ganz Deutschland. Die Berliner testen neue Angebote gerne aus, diese Hürde sei in anderen Städten größer, so die Gründer von Drive by. Das Team besteht derzeit aus acht Leuten. Das langfristige Ziel von Drive by ist es, den Kunden nicht nur eine entspannte Fahrt, sondern auch ein schönes Erlebnis zu bieten. Verschiedene Kooperationen sind dazu bereits in Planung.

Audi A1 und Fiat 500

Drive by Interieur A1
Drive by Interieur A1 © Carsharing News

Die Flotte bei Drive by besteht aus den Kompaktwagen Audi A1 und Fiat 500. Bei allen Fahrzeugen handelt es sich um Benziner mit Automatikgetriebe. Beide Fahrzeugtypen sind jeweils Dreitürer mit vier Sitzen. Innen befindet sich ein Navigations- und Entertainmentsystem. Zudem kann man sein eigenes Handy über eine Bluetooth-Schnittstelle koppeln. Sofern man sein Ladekabel mitbringt, kann das Smartphone auch über den vorhandenen USB-Port geladen werden.

Derzeit stehen circa 25 Fahrzeuge im Geschäftsgebiet bereit. Geplant ist ein Ausbau auf etwa 120 Autos noch in diesem Jahr und 450 Fahrzeuge bis 2019. Laut Drive by zeichnet es sich derzeit ab, dass der Audi A1 beliebter ist als der Fiat 500. Wie genau sich das auf die zukünftige Flotte auswirkt, wird sich zeigen.

Drive by Geschäftsgebiet

Derzeit erstreckt sich das Berliner Geschäftsgebiet hauptsächlich innerhalb des S-Bahn-Rings. Ausnahmen gibt es in Richtung Pankow, Prenzlauer Berg, Steglitz und Messe. Mit dem Ausbau der Flotte soll auch das Gebiet immer weiter ausgebaut werden.

Kilometer statt Minuten

Das grundsätzliche Prinzip von Drive by ist inzwischen von anderen Anbietern bekannt. Genau wie bei den großen Mitbewerbern kann man ein Fahrzeug spontan mieten und im Geschäftsgebiet wieder abstellen. Feste Stellplätze gibt es nicht. Der große Unterschied zu allen anderen Anbietern in Deutschland ist die Abrechnung nach gefahrenen Kilometern und nicht nach gefahrener Zeit.

Drive by Front A1
Drive by Front A1 © Carsharing News

Bei den derzeitigen Marktführern car2go und DriveNow wird pro Minute abgerechnet. Das sorgt bei den Fahrern oft für Stress. Und das nicht nur bei der Parkplatzsuche am Zielort. Der ständige Zeitdruck verleitet einen Teil der Kunden zu einem riskanten Fahrstil. Immer wieder kommt es sogar zu schweren Unfällen, weil die Fahrer beispielsweise die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreiten, oder über Rot fahren.

Die Abrechnung nach Kilometern soll hier für eine entspanntere Fahrt sorgen. Wenn die Ampel auf Rot springt, oder man im Stau steht, muss man bei Drive by auch nichts extra zahlen.

Was ist günstiger?

Der Tarif von Drive by ist simpel gehalten. Der Kilometerpreis für den Audi A1 beträgt 79 Cent, der Kilometerpreis vom Fiat 500 liegt bei 69 Cent. Zum Vergleich: Der Minutenpreis bei car2go liegt bei 29 Cent pro Minute, bei DriveNow werden 31 Cent pro Minute gezahlt. Bei dem dritten Mitbewerber, Multicity Carsharing, werden 28 Cent pro Minute abgerechnet.

Doch welche Variante ist in der Praxis nun günstiger? Wir haben anhand von verschiedenen Strecken nachgerechnet. Wir vergleichen den jeweiligen Standard-Tarif für die kleinste Klasse ab vier Sitzen. Eventuelle Prepaid-Angebote sind nicht berücksichtigt.

Zu Zeiten mit viel Verkehr ist die Abrechnung nach Kilometern günstiger. Wenn wenig Verkehr herrscht und alle Ampeln grün sind, dann schwindet der preisliche Unterschied zur Abrechnung nach Minuten. Carsharing wird oft zu Stoßzeiten genutzt, zudem gibt es in Berlin viele Baustellen. In der Praxis wird also die Abrechnung nach Kilometern überwiegend attraktiver sein.

Drive by Heck A1
Drive by Heck A1 © Carsharing News

Zudem muss man auch berücksichtigen, dass unvorhersehbare Ereignisse wie Sperrungen von Straßen oder Staus bei der Abrechnung nach Minuten schnell kostspielig werden können. Bei der Abrechnung nach Kilometern lässt sich der Preis vorher anhand der Strecke genau planen.

Sonstige wichtige Tarifdetails: Interessant ist auch der Tagestarif (24 Stunden) inklusive 100 Kilometern. Für den Audi A1 zahlt man 59 € pro Tag, bei dem Fiat 500 liegt der Tagespreis bei 49 €. Der Parkmodus wird mit 15 Cent pro Minute berechnet. Die Selbstbeteiligung bei Unfällen beträgt 1.000 €. Hier besteht auch leider keine Möglichkeit zur Reduzierung. Die Registrierung ist derzeit noch kostenlos möglich inklusive 5 Kilometern. Eine Anmeldung ist übrigens schon mit 18 Jahren möglich. Voraussetzung ist natürlich eine gültige Fahrerlaubnis.

Alles per App

Die Zeiten von Chipkarten zur Nutzung der Fahrzeuge sind vorbei. Auch bei Drive by Carsharing setzt man komplett auf die App für iOS und Android. Sowohl die kostenlose Reservierung für 15 Minuten wie auch das Öffnen und Schließen der Fahrzeuge erfolgt per App.

Die App befindet sich derzeit noch im Anfangsstadium, sodass komfortable Funktionen wie ein Fahrzeugfilter, oder ein Alarm bei freien Fahrzeugen in der Umgebung fehlen. Hier möchte man sich an den Nutzerwünschen orientieren und die App stetig weiter entwickeln. Nach der Fahrt bekommt man eine übersichtliche E-Mail mit den entsprechenden Kosten der Fahrt zugeschickt.

Fazit zu Drive by

Drive by möchte mit der Abrechnung nach Kilometern den Carsharing-Markt in Berlin aufmischen. Neu ist die Idee nicht, aber es ist eine vielversprechende und größtenteils günstigere Alternative zu den derzeit bestehenden Angeboten.

Die Anzahl der verfügbaren Fahrzeuge und das kleine Geschäftsgebiet sind derzeit das größte Manko. Hier ist aber auf lange Sicht eine Besserung zu erwarten. Das Team ist motiviert und hat große Pläne. Schon jetzt kann das Angebot im Zentrum von Berlin eine gute Ergänzung sein. Wir sind gespannt, was die Zukunft bringt und wünschen viel Erfolg.

Weiterführende Links:
Drive by Webseite
Drive by auf Instagram
Drive by auf Facebook

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Ich nutze Carsharing häufig und bin Kunde bei vielen Anbietern. Da die Branche stets in Bewegung und dementsprechend spannend ist, habe ich diese Webseite gegründet. Für alle, die mehr über Carsharing erfahren und immer informiert sein möchten.

3 KOMMENTARE

  1. Naja, aber das Weglassen der ganzen Prepaid Angebot verzehrt hier ganz schön das Bild. (Beim Vergleich Car2Go – DriveNow – Multicity vllt. noch ok, aber hier ist das Modell zu unterschiedlich. Sonst würde man die Schwächen des einen Systems gegen die Vorteile des Anderen ausspielen.)

    Bei Drive by gibt es keine Vergünstigungen. Bei Multicity kann man auf einen Preis von 0,20€ pro Minute kommen. Das wäre in dem oberen Beispiel, dann die günstigste Variante in allen Testfällen.

    Drive By lohnt sich finde ich nur, wenn man mit hohen Verkehrsaufkommen rechnet und unbedingt ein Free Floating Auto braucht. Dann kann man aber auch die Öffentlichen in Betracht ziehen 😉

    • Hallo Mario,

      danke für deine Rückmeldung. Alle Prepaid-Varianten durchzuspielen hätte den Rahmen gesprengt. Ein Nutzer, der bei allen Anbietern registriert ist, wird denke ich auch eher keine Prepaid-Pakete kaufen. Somit gehen wir hier von dem Fall aus, dass der Kunde zwar überall angemeldet ist, aber keine Präferenzen hat. Wenn man natürlich ein Prepaid-Paket kauft, kann die Fahrt günstiger sein. Aber dann wird man wohl sowieso den Anbieter wählen.

      Viele Grüße

  2. hi.
    ich bin gestern das erste Mal mit Drive by gefahren und hatte mich schon ehrlich gesagt ein wenig darauf gefreut. als ich die Abrechnung am Ende der Fahrt bekam war ich jedoch überrascht. dann ist mir aufgefallen, dass mein weg doch ein wenig länger war als vorher geplant. Grund dafür ist wie im Test beschrieben Baustellen. das integrierte Navigationssystem kannte nicht nur die Baustelle nicht, ich wollte die Straße umfahren und auch die parallel Straße war nach 200-300 Metern gesperrt sodass ich die Seitenstraße zurückfahren musste und daher nicht nur zeitlich länger fahren musste sondern auch eine unnötig längere Strecke.

    in der Hoffnung, dass in der City alles wie geschmiert läuft ist drive-by sehr attraktiv und das fahren mit dem A1 macht auch mega Spaß. jedoch wäre für mich wünschenswert dass man lieber von zb Neukölln nach Mitte oder Spandau nach Mitte fahren kann, anstatt sich zwingend jnnerhalb des S-Bahn Rings aufhalten zu müssen. aufgrund von der dauerbaustelle Berlin war das dann doch eher eine Enttäuschung generell.
    vielleicht locken sie mich mit einem Studentenrabatt (?)

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