Studie zu Carsharing in München und Berlin

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Carsharing wird immer beliebter und steht deshalb unter genauer Beobachtung von Unternehmen, Städten und Gemeinden. In dem groß angelegten Forschungsprojekt WiMobil wurden seit 2012 Kunden in München und Berlin befragt, sowie digitale Standortdaten der Fahrzeuge analysiert. An dem Projekt sind Stadtverwaltungen, Universitäten, Anbieter und das Umweltministerium beteiligt. Die Ergebnisse wurden heute in Berlin vorgestellt.

Als stationärer Anbieter wurde Flinkster von der Deutschen Bahn untersucht. Im flexiblen Carsharing stand DriveNow von BMW im Zentrum der Forschung. Die Analyse der Fahrzeugdaten hat die Universität der Bundeswehr München übernommen, die Nutzerbefragung hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt übernommen. Die wichtigsten Ergebnisse stellen wir hier vor.

Wer nutzt Carsharing?

In den Medien gewinnt Carsharing immer mehr Aufmerksamkeit, jedoch hat das Thema bisher nur einen kleinen Teil der Bevölkerung erreicht. Etwa 75 % der Nutzer sind Männer, über 70 % der Kunden haben einen Hochschulabschluss und verfügen über ein mit durchschnittlich 2.500 Euro vergleichsweise hohes Nettoeinkommen. Wohn- und Arbeitsort liegen in der Regel in der Innenstadt.

Carsharing-Nutzer sind multimodal und nutzen den öffentlichen Nahverkehr, das Fahrrad, das Carsharing-Fahrzeug und auch das eigene Auto. Bei Flinkster besitzen noch 72 % der Kunden ein eigenes Fahrzeug im Haushalt, bei DriveNow sind es 43 %. Ein Abo für den ÖPNV haben bei Flinkster 51 % der Kunden und bei DriveNow 40 %.

Warum Carsharing?

Der wichtigste Grund für Carsharing ist der Wunsch, einen Pkw nutzen zu können. Aber auch die gute Verfügbarkeit, das gute Preis-Leistungs-Verhältnis und eine subjektiv wahrgenommene schlechte Verfügbarkeit des öffentlichen Nahverkehrs werden als Grund für die Nutzung von Carsharing angegeben.

Über 50 % der befragten Personen geben an, dass Carsharing ausreichend sei und kein eigenes Fahrzeug benötigt wird. Etwa 10 % der DriveNow-Nutzer und 20 % der Flinkster-Kunden geben an, seit der Nutzung von Carsharing das eigene Fahrzeug abgeschafft zu haben. Jeweils etwa 70 % gaben an, dass Carsharing bei der Abschaffung des Pkw eine Rolle spielte.

Wie kommt Elektro-Carsharing an?

Die Elektroautos in den Flotten der Carsharing-Anbieter werden positiv wahrgenommen. Viele Nutzer von Carsharing kommen das erste Mal in Kontakt mit Elektroautos und können diese im Alltag testen. Die meisten Nutzer bevorzugen sogar Elektroautos im Carsharing. Gründe hierfür sind die ökologischen Vorteile und das Interesse an der innovativen Antriebstechnik sowie ein attraktives Fahrerlebnis. Lediglich beim Aufladen der Fahrzeuge gibt es teilweise noch Bedenken. Die Nutzung der Elektrofahrzeuge unterscheidet sich nicht zu denen mit konventionellem Antrieb.

Wie wird Carsharing genutzt?

Wenig überraschend ist die Erkenntnis, dass stationäres Carsharing eher für zeitlich und räumlich längere Fahrten genutzt wird, vor allem am Wochenende. Das flexible Carsharing wird hingegen für kurze Fahrten innerhalb der Stadt genutzt. Etwa 31 % der Nutzer von Free-Floating-Carsharing wissen nicht, dass es auch stationäres Carsharing gibt. Dabei ist dieses bei längeren Fahrten oft deutlich günstiger als das neue, flexible Carsharing. Besonders am Abend und am Wochenende wird Carsharing häufig genutzt. Kunden von DriveNow haben eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 18 Minuten und 8 Kilometern, bei Flinkster werden durchschnittlich 50 Kilometer pro Fahrt zurückgelegt.

Einfluss auf den öffentlichen Raum

Dauerhaft soll Carsharing durch die geteilte Nutzung der Fahrzeuge die Parkplatzsituation in den Städten verbessern. Denn 95 % der Zeit steht ein privates Fahrzeug ungenutzt herum. Beim Carsharing werden die Fahrzeuge häufiger genutzt, hier ergibt sich eine Standzeit von etwa 79-88 % (bei DriveNow in München und Berlin).

Durch die Abschaffung privater Fahrzeuge von Free-Floating-Nutzern gab es rechnerisch etwa 8.000 weniger Fahrzeuge in den Haushalten. Dadurch kann eine Fläche im öffentlichen Raum von etwa 12150 Quadratmetern in Berlin bzw. 5670 Quadratmetern in München eingespart werden.

Letztendlich gibt es ein positives Ergebnis der Untersuchung. Wenn Carsharing weiter ausgebaut und mehr Nutzer angesprochen werden, sind noch mehr Flächeneinsparungen und weniger Verkehr auf den Straßen zu erwarten. Die Aussage deckt sich mit internen Umfragen anderer Carsharing-Unternehmen. Das gesamte Dokument finden Sie anbei zum Download.

Download: WiMobil – Carsharing und Elektromobilität

Quellen: WiMobil Präsentation, Tagesspiegel

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