Derzeit veröffentlichen Nachrichten-Agenturen Beiträge mit dem Titel „Carsharing bringt keine Umweltentlastung“. Wenig Beachtung findet jedoch, dass nur ein einziger Anbieter in der Studie untersucht wurde. Hierbei handelt es sich um car2go, das Carsharing-Angebot vom Autobauer Daimler. Der Konzern hat sich als Praxispartner beteiligt. Betrachtet wird in der jetzt veröffentlichten Studie also nur das free-floating Carsharing.

In der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit geförderten Studie haben Forscher über mehrere Jahre hinweg tausend Nutzer von car2go im Zeitraum von 2013 bis 2017 vier Mal befragt. Teilgenommen haben Kunden aus den Städten Stuttgart, Frankfurt und Köln.

Die Studie des Öko-Instituts in Freiburg und des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt zeigen, dass sich die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen durch car2go nicht verringert. Auch eine Treibhausgasminderung ist nicht zu erkennen.

Nur bis zu 2,6 Prozent der Befragten haben das eigene Auto abgeschafft. Doch dieser Effekt wurde überkompensiert. Zum einen sind auf den Straßen mehr Fahrzeuge von car2go unterwegs, als abgeschafft wurden, zum anderen haben viele Nutzer zusätzlich ein eigenes Auto gekauft. Je nach Untersuchungsregion stieg der Pkw-Besitz von 3 auf 15 Prozent. Damit haben die Nutzer von car2go sogar noch mehr Autos gekauft als Vergleichspersonen, die kein free-floating Carsharing nutzen.

Das dürfte grundsätzlich durchaus im Interesse von Daimler sein. Es ist zu vermuten, dass auch BMW mit DriveNow ein ähnliches Ziel verfolgt. Nicht ohne Grund sehen die Autohersteller die hauseigenen Carsharing-Angebote auch als „bezahlte Probefahrten“ an.

Laut Befragung haben die Kunden von car2go auch kein besonders hohes Umweltbewusstsein. Es geht eher um emotionale Faktoren wie Spaß am Fahren und das das ganze System als cool und sympathisch wahrgenommen wird. Besonders jüngere Personen mit Abitur und Männer sind überrepräsentiert.

Immerhin litt die Nutzung des ÖPNV laut der Studie nicht unter dem Carsharing-Angebot. So sind die Nutzer überdurchschnittlich oft Abonnent des öffentlichen Nahverkehrs und von Bahncards. Je nach Situation werden unterschiedliche Verkehrsmittel genutzt und kombiniert.

Quelle/Download komplette Studie

1 KOMMENTAR

  1. Danke für die differenzierte Betrachtung! Viele Medien titeln leider etwas pauschal und kehren die unterschiedlichen Angebotsformen über einen Kamm. Dabei ist es sehr wichtig, zwischen Free Floating und stationsbasierten Angeboten zu unterscheiden. Letztere entlasten zusammen mit den anderen Angeboten im Umweltverbund tatsächlich und nachweislich (Stadt-)Verkehr und Umwelt.

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