Carsharing Versicherung 2026: Selbstbeteiligung, Haftpflicht, Schaden und Reduzierung im Anbietervergleich
Wer mit einem Carsharing-Auto einen Schaden verursacht, zahlt nicht die Werkstattrechnung, sondern höchstens die Selbstbeteiligung. Im Oktober 2026 liegt sie zwischen 1.200 Euro bei stadtmobil Berlin und 2.500 Euro bei einem großen Miles-Fahrzeug. Das ist die eigentliche Zahl hinter jeder Carsharing Versicherung, und sie steht selten dort, wo man als Kunde zuerst sucht: nicht auf der Startseite, sondern in der Preis- und Kostenordnung oder in den AGB.
Die Carsharing Versicherung ist damit ein Vertragsthema, kein Tarifthema. Die Zahlen unten stammen aus genau diesen Dokumenten von sieben Anbietern (Stand Oktober 2026). SIXT share fehlt in der Übersicht. Wie sich die Anbieter sonst unterscheiden, steht in der Übersicht der Carsharing-Anbieter.
Haftpflicht, Teilkasko, Vollkasko: Was die Carsharing Versicherung abdeckt
Die Haftpflicht ist Pflicht. Nach § 1 des Pflichtversicherungsgesetzes muss der Halter eines Fahrzeugs für sich, den Eigentümer und den Fahrer eine Haftpflichtversicherung abschließen und aufrechterhalten. Sie zahlt, wenn du mit dem Mietwagen fremdes Eigentum beschädigst oder jemanden verletzt. Flinkster schreibt in § 9 seiner AGB, alle Fahrzeuge seien „gesetzlich versichert (Haftpflichtversicherung)“, teilAuto und book-n-drive sagen dasselbe, und Free2move verweist für die Haftpflicht auf die Allgemeinen Kfz-Versicherungsbedingungen (AKB 2015) des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft.
Für den Schaden am Mietwagen selbst wird es unterschiedlich. cambio nennt in Ziffer 13 der AGB ausdrücklich Teil- oder Vollkasko neben der Haftpflicht, stadtmobil Berlin schreibt in seinem Merkblatt zu den Sicherheitspaketen: haftpflicht-, voll- und teilkaskoversichert, inklusive Schutzbrief. Free2move arbeitet in den AGB mit einer Haftungsgrenze statt mit dem Wort Kasko: Für Schäden am Fahrzeug haftest du höchstens mit 1.850 Euro. Im Ergebnis läuft es auf dasselbe hinaus, nämlich auf einen Eigenanteil im Schaden.
Wer eine Carsharing Versicherung vergleicht, vergleicht also nie nur Preise, sondern Bedingungen. Die Haftpflicht hat Lücken, und Free2move zählt sie in Ziffer 15.2 seiner AGB auf. Nicht gedeckt sind danach Personenschäden des Fahrers, Gegenstände und Tiere im Fahrzeug, Schäden, die ohne Zutun Dritter am Free2move-Fahrzeug entstehen, vorsätzlich oder grob fahrlässig verursachte Schäden und Schäden bei ungültigem Führerschein oder bei einem Verstoß wie Fahren unter Alkohol. Das Notebook auf der Rückbank gehört also dir, nicht dem Versicherer.
Selbstbeteiligung im Schaden: Die Zahlen von sieben Anbietern
Die Tabelle nennt die Höchstbeträge je Schadenfall für Privatkunden im Standardtarif. Sie sind nicht vergleichbar mit den Fahrpreisen im Preisindex, sondern ein eigenes Risiko, das in keiner Kilometerrechnung auftaucht.
| Anbieter | Selbstbeteiligung je Schaden | Reduzierung | Quelle |
|---|---|---|---|
| stadtmobil Berlin | 1.200 € | Sicherheitspaket: 49 € → 500 €, 69 € → 200 €, 119 € → 0 € (je Jahr) | Merkblatt Sicherheitspakete, berlin.stadtmobil.de |
| Miles | 1.400 € (S, M), 1.750 € (Premium), 2.500 € (L, XL) | Pauschale Reduzierung nicht ausgewiesen | Preis- und Kostenordnung, miles-mobility.com |
| Flinkster | 1.500 € | optional je Buchung: 14,90 € → höchstens 300 € | Tarif- und Kostenordnung ab 1. September 2026, flinkster.de |
| teilAuto | höchstens 1.500 € | Sicherheitspaket 90 € je 12 Monate → 300 € | Preisliste, teilauto.net |
| book-n-drive | höchstens 1.500 € | Service-Paket 90 € im Jahr → 300 € | Preisseite, book-n-drive.de |
| cambio | 1.800 € | Sicherheitspaket 60 € im Jahr → höchstens 300 € | Sicherheitspaket-Seite, cambio-carsharing.de |
| Free2move | höchstens 1.850 € | Zusatzversicherung nur für Reifen und Glas | AGB ab 1. Oktober 2026, free2move.com |
Ins Verhältnis zum Fahrpreis gesetzt, wird die Größenordnung greifbar. Die Selbstbeteiligung von 1.400 Euro bei einem Miles-Kleinwagen entspricht dem Preis von rund 283 Kurzstrecken zu je 4,95 Euro aus dem Preisindex; die 1.800 Euro bei cambio entsprechen rund 460 Kurzstrecken zu je 3,90 Euro (nachgerechnet). Ein einzelner Parkrempler kann damit mehr kosten als Hunderte Fahrten, und das ist der Grund, warum die Reduzierung der Selbstbeteiligung mehr ist als ein Zusatzprodukt.
Wo die Zahlen stehen, ist je Anbieter verschieden: bei Miles in Ziffer 2 der Preis- und Kostenordnung, bei Free2move in Ziffer 19 der AGB, bei Flinkster und cambio in der Tarif- beziehungsweise Preisliste, bei teilAuto und book-n-drive auf der Preisseite. stadtmobil ist ein Verbund regionaler Gesellschaften, die Berliner Werte gelten deshalb nicht automatisch in Karlsruhe oder Hannover. Wer in einer anderen Stadt bucht, liest die Unterlagen der örtlichen Gesellschaft.
Drei Dinge sind auffällig. Die Spanne ist groß: Das teuerste Szenario kostet mehr als das Doppelte des günstigsten. Alle fünf Stationsanbieter in der Tabelle bieten ein Paket an, die beiden Free-Floating-Anbieter nicht in derselben Form. Und die Höhe hängt bei Miles an der Fahrzeugklasse, bei den anderen am Tarif. Wer vom Kleinwagen auf den Transporter wechselt, kauft damit auch ein höheres Risiko.
Dass es auch anders geht, zeigte 2016 ein Fall aus der Branche: DriveNow senkte den Selbstbehalt dauerhaft auf 350 Euro und machte dafür ein Schutzpaket für einen Euro je Fahrt zur Pflicht (Meldung vom August 2016). Bei keinem der sieben heute geprüften Anbieter ist ein solches Modell ausgewiesen.
Reduzierung der Selbstbeteiligung: Wann sich ein Paket rechnet
Ein Sicherheitspaket ist eine Wette gegen dich selbst. Es zahlt sich aus, wenn du einen Schaden verursachst, der die reduzierte Selbstbeteiligung übersteigt. Die Rechnung ist einfach: Preis des Pakets geteilt durch die Ersparnis im Schaden ergibt die Wahrscheinlichkeit, ab der es sich lohnt. Alle Werte hier sind eigene Rechnungen aus den Zahlen der Tabelle.
- cambio: 60 € Paketpreis, Ersparnis 1.500 € (1.800 € → 300 €). Break-even bei 4,0 Prozent im Jahr.
- teilAuto und book-n-drive: 90 € Paketpreis, Ersparnis 1.200 € (1.500 € → 300 €). Break-even bei 7,5 Prozent.
- stadtmobil Berlin, Paket „light“: 49 €, Ersparnis 700 €. Break-even bei 7,0 Prozent. Das Paket „plus“ (119 €, Ersparnis 1.200 €) liegt bei 9,9 Prozent.
- Flinkster: 14,90 € je Buchung, Ersparnis 1.200 €. Break-even bei 1,2 Prozent je Buchung; bei zehn Buchungen im Jahr summiert sich der Preis auf 149 €, mehr als jedes Jahrespaket der Stationsanbieter.
Das Ergebnis ist unspektakulär, aber eindeutig. Wer in einem Stationssystem mehrmals im Monat fährt, nimmt das Jahrespaket, bei cambio ist es das günstigste. Wer nur ein- oder zweimal im Jahr eine lange Fahrt bucht, nimmt bei Flinkster die Reduzierung nur für genau diese Buchung. Gelegenheitsfahrer, die selten und kurz fahren, bleiben bei der Standard-Selbstbeteiligung: Das Risiko ist klein, die Rechnung im Schaden groß. Das Paket ist ein eigener Vertrag: Bei stadtmobil verlängert es sich automatisch um zwölf Monate, wenn nicht sechs Wochen vor Ablauf gekündigt wird, und eine Rückzahlung gibt es nicht. cambio und teilAuto schließen es pro Person ab.
Bei Free2move und Miles lässt sich die Selbstbeteiligung nach den Angaben der Anbieter nicht pauschal drücken. Free2move bietet in der App eine Zusatzversicherung nur für Reifenschäden und Glasbruch; Miles erwähnt auf der Preisseite einen zusätzlichen Versicherungsschutz (Protection Plus), dessen Höhe und Wirkung dort nicht stehen. Wer dort oft fährt, sollte vor der ersten Buchung in der App nachsehen, was angeboten wird.
Schaden melden: Wann die Selbstbeteiligung wegfällt
Die Haftungsgrenze gilt nicht bedingungslos. Miles formuliert es so: Du haftest „grundsätzlich nur bis zur Höhe der jeweiligen Selbstbeteiligung – außer bei Vorsatz oder groben Pflichtverstößen“. Kannst du nachweisen, dass du nicht schuld bist, entfällt die Haftung ganz. Free2move ist in den AGB konkreter. Die Selbstbeteiligung entfällt dort und du haftest für den gesamten Schaden, wenn das Fahrzeug nicht nach den AGB genutzt wurde, bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit, bei ungültigem oder fehlendem Führerschein, bei nicht fristgerecht gemeldetem Unfall und bei unsachgemäßem Gebrauch, den die AGB am Beispiel falsch betankter Motoren erklären. Dazu zählen laut Ziffer 19.3 auch Schäden durch missachtete Warnleuchten, durch eine leere Batterie im E-Auto und Schäden an den unteren Fahrzeugteilen nach einem Aufprall auf einen Bordstein oder ein Hindernis.
Hinzu kommen Gebühren, die mit der Selbstbeteiligung nichts zu tun haben. Miles führt eine Kostenpauschale für die Unfallbearbeitung von 130 Euro und eine Vertragsstrafe von 29,50 Euro für eine verspätete oder unvollständige Schadenmeldung. Flinkster berechnet 75 Euro für die Bearbeitung von Unfällen und Fahrzeugschäden, cambio bis zu 50 Euro, wobei die Grenze der Selbstbeteiligung dabei nicht überschritten wird. Bei Free2move kommt zum Schaden eine Bearbeitungsgebühr nach der Schadenstabelle.
Auch die Frage, wer am Steuer sitzt, spielt eine Rolle. Free2move erlaubt einen zweiten Fahrer nur, wenn er selbst registrierter Kunde ist und die Voraussetzungen erfüllt; lässt du einen anderen ans Steuer, zahlst du eine Vertragsstrafe und verlierst die Selbstbeteiligung (Ziffer 5.12). teilAuto erlaubt, dass eine andere Person mit gültigem Führerschein fährt, solange der Kontoinhaber im Auto sitzt und einverstanden ist. Das Schadenrisiko bleibt aber, so die Hilfeseite von teilAuto, bei der Person, auf deren Namen der Kundenvertrag läuft. Beim Weitergeben des Autos an Freunde zahlt am Ende immer der Vertragsinhaber.
Die billigste Absicherung kostet nichts: Schäden vor der Fahrt prüfen und melden. Free2move weist in den AGB darauf hin, dass für Schäden oder fehlendes Zubehör, die nicht vor Beginn der Miete gemeldet wurden, Kosten in Rechnung gestellt werden können. Ein Foto vom Kratzer an der Stoßstange, bevor du losfährst, ist die einzige Versicherung, die kein Paket braucht.
Eine Einschränkung zum Schluss, die in den Tabellen untergeht. Flinkster bindet die Senkung des Selbstbehalts in § 9 der AGB an die Bedingung, dass das Sicherheitspaket im Einzelmietvertrag vereinbart wurde. Wer erst nach dem Unfall merkt, dass er es hätte buchen sollen, zahlt 1.500 Euro.
Häufige Fragen
Ist beim Carsharing eine Versicherung im Preis enthalten?
Ja. Bei sechs der sieben hier geprüften Anbieter nennen AGB oder Merkblätter ausdrücklich die Kfz-Haftpflicht, cambio und stadtmobil zusätzlich Teil- und Vollkasko; Miles regelt den Versicherungsschutz in der Preis- und Kostenordnung. Du zahlst keinen eigenen Beitrag, haftest im Schaden aber bis zur Selbstbeteiligung selbst.
Wie hoch ist die Selbstbeteiligung beim Carsharing?
Im Oktober 2026 reicht die Spanne von 1.200 Euro bei stadtmobil Berlin über 1.400 Euro bei Miles (S- und M-Autos) und 1.500 Euro bei Flinkster, teilAuto und book-n-drive bis zu 1.800 Euro bei cambio. Free2move begrenzt auf 1.850 Euro, Miles verlangt für L- und XL-Fahrzeuge bis zu 2.500 Euro.
Lohnt sich die Reduzierung der Selbstbeteiligung?
Rechnerisch ja, sobald die Wahrscheinlichkeit eines Schadens hoch genug ist. Das cambio-Paket für 60 Euro im Jahr spart im Schaden bis zu 1.500 Euro und zahlt sich damit ab einem Schadenrisiko von 4 Prozent pro Jahr aus. Bei 90 Euro (teilAuto, book-n-drive) liegt die Schwelle bei 7,5 Prozent. Wer selten fährt, lässt es oft bleiben.
Wann zahle ich trotz Selbstbeteiligung den ganzen Schaden?
Bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit, bei ungültigem Führerschein, bei einem Fahrer, den der Anbieter nicht freigegeben hat, und bei einer Schadenmeldung nach Ablauf der Frist. Free2move listet diese Fälle in Ziffer 19.3 seiner AGB auf; Miles nimmt Vorsatz und grobe Pflichtverstöße von der Haftungsgrenze aus. Fahren unter Alkohol ist zudem vom Haftpflichtschutz ausgenommen.
Was muss ich nach einem Schaden mit dem Carsharing-Auto tun?
Den Anbieter innerhalb der Frist informieren und die Unterlagen liefern. Miles verlangt ein ausgefülltes Schadenformular, einen schriftlichen Unfallbericht und gegebenenfalls polizeiliche Angaben; für eine verspätete oder unvollständige Meldung steht dort eine Vertragsstrafe von 29,50 Euro. Bei Free2move entfällt die Selbstbeteiligung, wenn du die Frist versäumst.