Carsharing Modelle im Überblick: Free Floating, stationsbasiert, privat, Corporate und Peer to Peer
In Berlin stehen nach dem bcs-Städteranking 2024 insgesamt 9.529 Carsharing-Autos, die ohne feste Station gemietet werden, aber nur 223 mit. In Karlsruhe ist es umgekehrt: Von 1.658 Fahrzeugen gehören 1.363 zum stationsbasierten Angebot. Zwei Städte, zwei Welten, und beide gehören im Ranking zu den fünf dichtesten Carsharing-Märkten Deutschlands. Die Carsharing Modelle unterscheiden sich im Alltag stärker, als es der Begriff nahelegt, denn von ihnen hängt ab, wo das Auto steht, wo die Fahrt endet und was sie kostet.
Carsharing Modelle im Überblick: fünf Varianten
Welche Carsharing Modelle gibt es? Der Bundesverband CarSharing beschreibt auf seiner Webseite vier Varianten, ein fünftes Modell kommt aus der Unternehmenswelt:
| Modell | Wo steht das Auto? | Wo endet die Fahrt? | Beispiele |
|---|---|---|---|
| stationsbasiert | an festen Stationen, vorab reservierbar | an der Station | cambio, stadtmobil, Flinkster |
| Free Floating | irgendwo im Geschäftsgebiet | irgendwo im Geschäftsgebiet | Miles, Free2move |
| kombiniert | an Stationen und frei im Gebiet | je nach Fahrzeug | book-n-drive, teilAuto |
| privat (Peer to Peer) | beim privaten Halter | nach Absprache mit dem Besitzer | Getaround, Turo |
| Corporate | im Firmenpool, am Standort oder zu Hause | nach Firmenregel | Poolfahrzeuge von Unternehmen |
Die gesetzlichen Begriffe stehen in § 2 des Carsharinggesetzes: stationsbasiert ist ein „Angebotsmodell, das auf vorab reservierbaren Fahrzeugen und örtlich festgelegten Abhol- oder Rückgabestellen beruht“, stationsunabhängig eines, bei dem die Nutzung „ohne Rücksicht auf vorab örtlich festgelegte Abhol- und Rückgabestellen begonnen und beendet werden kann“. Peer to Peer und Corporate definiert § 2 nicht.
Stationsbasiert: festes Auto, feste Rückgabe
Beim stationsbasierten Modell reservierst du ein Auto im Voraus, holst es an einer Station ab und bringst es dorthin zurück. Das Prinzip ist in Deutschland das älteste, die ersten Angebote entstanden nach bcs-Angaben 1988 mit dem Berliner Projekt stadt-Auto. Es hat in Karlsruhe, Freiburg, Tübingen oder Heidelberg die dichtesten Angebote hervorgebracht. Im bcs-Städteranking 2024 führt Karlsruhe die Liste der stationsbasierten Angebote mit 4,40 Fahrzeugen je 1.000 Einwohner an, gefolgt von Freiburg mit 2,36 und Tübingen mit 2,01. Das Angebot in Karlsruhe stammt laut bcs fast vollständig von stadtmobil.
Der Vorteil ist Planbarkeit: Das Auto steht, wo es reserviert wurde. Der Preis ist bei längeren Fahrten niedrig, weil Stundenpreise und Kilometerpreise zusammen meist unter dem Minutentakt liegen. Der Nachteil liegt in der Starrheit. Eine Einwegfahrt gibt es nicht, und wer kurz und spontan fahren will, zahlt bei Anbietern mit voller Mindeststunde drauf, wie die Kurzstrecke bei Flinkster zeigt: 9,60 Euro für 15 Minuten. Die stationsbasierten Anbieter sind im Anbietervergleich nach Preisen und Städten aufgeführt.
Free Floating: Auto stehen lassen, wo die Fahrt endet
Free Floating ist das jüngere Modell. Fahrzeuge verteilen sich im Geschäftsgebiet, du findest sie per App, öffnest sie mit dem Smartphone und lässt sie am Ziel im Gebiet stehen. Das passt zu spontanen Kurzfahrten und Einwegstrecken. In Berlin (9.529 Fahrzeuge), Hamburg (5.560) und München (4.625) liegen die größten Flotten, in München und Hamburg ist Miles laut bcs der größte Free-Floating-Anbieter. Wie das Modell 2014 eingeschätzt wurde, zeigt die Studie zu Free-Floating-Carsharing: Sie sah damals geringe verkehrliche Wirkung, aber ein weltweites Umsatzpotenzial von rund 1,4 Milliarden Euro bis 2020.
Der Nachteil: Free Floating braucht Dichte, und die ist an die Großstadt gebunden. Nach der bcs-Schätzung ging die Flotte im Free Floating von 27.400 auf 24.800 Fahrzeuge zurück, minus 9,5 Prozent in einem Jahr. Der bcs bezeichnet diese Zahlen ausdrücklich als Schätzung auf Basis von Anbieterangaben und eigenen Recherchen. Dass sich Angebote auch zurückziehen, zeigt der Fall Multicity: Citroën stellte den Dienst in Berlin zum 29. Oktober 2017 ein.
| Stadt | stationsunabhängig | stationsbasiert |
|---|---|---|
| Berlin | 9.529 | 223 |
| Köln | 1.670 | 655 |
| Düsseldorf | 1.373 | 99 |
| Stuttgart | 1.290 | 538 |
| Frankfurt am Main | 650 | 397 |
| Leipzig | 250 | 640 |
| Karlsruhe | 295 | 1.363 |
| Nürnberg | 0 | 173 |
Carsharing-Fahrzeuge nach Modell, Quelle: bcs-Städteranking 2024 (Erhebung Herbst 2024). Alle Städte und ihre Anbieter stehen in der Übersicht Carsharing in deutschen Städten.
Kombinierte Modelle: Station und Geschäftsgebiet in einem
Der bcs führt kombinierte Angebote als eigene Kategorie: Ein Anbieter hat Stationsfahrzeuge und Free-Floating-Fahrzeuge unter einem Dach, mit einheitlichen Tarifen. Im Preisindex zählen book-n-drive und teilAuto dazu. book-n-drive betreibt neben den Stationsautos den cityFlitzer, teilAuto in Leipzig das Free-Floating-Angebot cityflitzer, das separat tarifiert ist: 2,80 Euro pro Stunde, 28 Euro für 24 Stunden und 0,31 Euro je Kilometer, dazu ein einmaliger Startpreis von 19,90 Euro. Nach eigener Pressemitteilung vom 11. März 2026 meldet teilAuto für Leipzig zum 1. Januar 2026 rund 48.700 Kundinnen und Kunden und 960 Fahrzeuge an 280 Stationen sowie im Freefloating-Angebot. Auch stadtmobil Karlsruhe arbeitet laut bcs kombiniert: Der größte Teil des Angebots ist stationsbasiert, ein kleinerer free floating.
In der bcs-Statistik werden stationsbasierte und kombinierte Angebote zusammen ausgewiesen: Zum 1. Januar 2026 waren das 978.300 Fahrberechtigte und 18.390 Fahrzeuge.
Preise nach Carsharing Modell: was der Preisindex zeigt
Der Preisindex rechnet drei Standardfahrten je Anbieter. Nach Modell sortiert ergeben sich diese Spannen, Stand Oktober 2026:
| Modell | Kurzstrecke (5 km, 15 min) | Einkauf (20 km, 2 h) | Tagesausflug (150 km, 24 h) |
|---|---|---|---|
| Free Floating (Miles, Free2move) | 2,55 bis 4,95 € | 20,40 bis 37,80 € | 104,99 € (nur Miles) |
| stationsbasiert (cambio, stadtmobil, Flinkster) | 3,10 bis 9,60 € | 10,60 bis 20,90 € | 68,50 bis 114,90 € |
| kombiniert (book-n-drive, teilAuto) | 3,50 bis 6,90 € | 9,80 bis 15,00 € | 63,00 bis 78,00 € |
Bei Free2move ist der Tagesausflug nicht berechenbar, weil der Kilometerpreis der Tagestarife nicht auf der Webseite steht. Beim Vergleich der Carsharing Modelle gilt eine Regel mit Ausnahmen: Free Floating ist bei kurzen Fahrten vorn, Station und kombiniert bei allem, was länger dauert. Innerhalb eines Modells entscheidet der einzelne Tarif: Flinkster liegt als Stationsanbieter bei der Kurzstrecke über allen anderen. Wie sich die Abrechnung pro Minute, pro Kilometer und pro Stunde auswirkt, steht unter Carsharing Kosten.
Welches Modell passt zu welcher Fahrt
Die Carsharing Modelle lassen sich nach dem Zweck der Fahrt sortieren. Für den spontanen Weg von A nach B ohne Rückfahrt ist Free Floating gebaut, denn nur dort endet die Fahrt am Ziel: Die Viertelstunde kostet im Preisindex 2,55 Euro bei Free2move. Für alles mit Rückfahrt zur Ausgangsstation, den Wochenendeinkauf, den Arztbesuch mit Wartezeit, den Tagesausflug, sind stationsbasierte und kombinierte Anbieter günstiger, weil sie in Stunden und Kilometern rechnen. Für die Fahrt, bei der das Auto mehrere Tage gebraucht wird, nennen die Preislisten Wochenpreise von 126,20 Euro bei teilAuto bis 231 Euro bei book-n-drive. Für Gelegenheiten, bei denen ein ganz bestimmtes Fahrzeug gebraucht wird, etwa ein Cabrio oder ein Wohnmobil, bleibt privates Carsharing, denn dort bestimmt der Besitzer das Angebot.
Der bcs formuliert in seiner Definition von 2024 einen Anspruch an alle Modelle: Kurzzeitnutzungen von einer Stunde sind jederzeit möglich, kürzere zulässig, und der Preis für Kurzzeitnutzungen bis zu einer Stunde soll so gesetzt sein, dass er im Vergleich zu Paket- oder Tagespreisen eine finanziell sinnvolle Option darstellt. Ob das gelingt, zeigt die Kurzstrecke im Preisindex: Sie reicht von 2,55 Euro bis 9,60 Euro. Der Unterschied zwischen den Modellen schrumpft, wenn die Fahrt länger wird, und genau dort ist die Tarifwahl wichtiger als das Modell.
Rechnerisch zeigt sich noch ein Unterschied zwischen den Modellen. Nach der bcs-Zeitreihe waren im Januar 2024 für das Free Floating 4.505.600 Fahrberechtigte gemeldet, für stationsbasierte und kombinierte Angebote 1.000.440. Auf ein Fahrzeug kamen damit im Free Floating rund 171 gemeldete Personen, bei den Stationsmodellen rund 60 (26.350 beziehungsweise 16.760 Fahrzeuge). Weil sich Nutzer bei mehreren Anbietern anmelden, sind das keine Auslastungswerte, sie zeigen aber, dass Free Floating mit einer breiten Kundenbasis auf wenigen Autos arbeitet, Stationsmodelle mit einer festeren Bindung an ihre Fahrzeuge.
Privat und Peer to Peer: das Auto des Nachbarn
Beim privaten Carsharing teilt ein Halter sein eigenes Auto. Der bcs nennt das Peer to Peer und beschreibt es als „ein von einer Privatperson besessenes Fahrzeug“, das zugleich zum Teilen angeboten wird, meist über Internetplattformen oder im Nachbarschaftsverbund. Der Unterschied zum klassischen Carsharing liegt im Zugang: Der Besitzer muss die Vermietung freigeben, ein eigenständiger Zugang fehlt oft. Nach der bcs-Definition von 2024 gehört der selbstständige Zugang zum Carsharing, bei Peer to Peer fehlt er laut Verband oft. Wer Anbieter, Versicherung und Pflichten beim Vermieten sucht, findet sie auf der Seite zu privatem Carsharing.
Corporate Carsharing: der Fahrzeugpool im Unternehmen
Das Corporate Carsharing überträgt das Prinzip auf Betriebe. Beschäftigte teilen sich einen Pool von Fahrzeugen und buchen sie per App oder Webseite, statt dass jeder einen Dienstwagen bekommt. Die Anbieter solcher Software beschreiben zwei Spielarten: stationsbasiert mit festen Stellplätzen auf dem Firmengelände, oder frei zwischen mehreren Standorten innerhalb eines Gebiets. Ob der Pool dem Unternehmen gehört, von einem Dienstleister gestellt wird oder beides kombiniert, entscheidet jedes Unternehmen selbst. Die bcs-Definition zielt in dieselbe Richtung, denn dort ist Carsharing eine Alternative zu einem privaten Pkw oder Geschäftsfahrzeug.
Ein frühes Beispiel liefert der Netzbetreiber TenneT: Laut einer Meldung vom Juli 2014 nutzten 1.200 Beschäftigte am Standort Bayreuth acht Poolfahrzeuge über die Software fleetster, im halben Jahr fielen rund 1.000 Buchungen an, und der Betreiber weitete die Lösung auf drei weitere Standorte aus. Zuvor hatte ein externer Dienstleister die Buchungen manuell in einer Excel-Datei koordiniert. Zur steuerlichen Behandlung von Privatfahrten im Firmenpool äußerte sich 2012 eine Steuerberaterin gegenüber der Zeitschrift firmenauto: Übernimmt der Arbeitgeber die Kosten auch für Privatfahrten, besteht der geldwerte Vorteil in der anteiligen Miete, die er für das Fahrzeug zahlt, und beteiligen sich Beschäftigte selbst an den Kosten, gilt die Ein-Prozent-Regelung nicht, weil Carsharing-Fahrzeuge keine Dienstwagen sind. Der Stand von 2012 ersetzt keine aktuelle Steuerberatung, zeigt aber, welche Fragen ein Unternehmen vor dem Start klären muss.
Häufige Fragen
Welche Carsharing Modelle gibt es?
Der Bundesverband CarSharing unterscheidet stationsbasiertes, stationsunabhängiges (Free Floating), kombiniertes und Peer-to-Peer-Carsharing. Dazu kommt das Corporate Carsharing, bei dem Mitarbeiter einen Fahrzeugpool im Unternehmen nutzen. Die Anbieter unterscheiden sich darin, wo das Auto steht, wo die Fahrt enden darf und wie abgerechnet wird.
Was ist der Unterschied zwischen Free Floating und stationsbasiertem Carsharing?
Beim stationsbasierten Modell holst du ein reservierbares Auto an einer festen Station ab und gibst es dort zurück. Beim Free Floating beginnst und beendest du die Fahrt ohne Rücksicht auf feste Stationen, innerhalb des Geschäftsgebiets des Anbieters. So beschreibt es das Carsharinggesetz in § 2.
Welches Carsharing-Modell ist günstiger?
Im Preisindex vom Oktober 2026 liegen bei der Einkaufsfahrt über zwei Stunden die kombinierten Anbieter mit 9,80 bis 15,00 Euro und die stationsbasierten mit 10,60 bis 20,90 Euro vorn, die beiden Free-Floating-Anbieter bei 20,40 und 37,80 Euro. Auf der Kurzstrecke ist Free2move mit 2,55 Euro am günstigsten.
Was bedeutet Peer to Peer beim Carsharing?
Peer to Peer heißt, dass Privatpersonen ihr eigenes Auto über eine Plattform oder im Nachbarschaftsverbund an andere vermieten. Der Bundesverband CarSharing beschreibt es als ein von einer Privatperson besessenes Fahrzeug, das zugleich zum Teilen angeboten wird. Meist muss der Besitzer jede Vermietung freigeben, deshalb fehlt der eigenständige Zugang wie beim klassischen Carsharing.
Was ist Corporate Carsharing?
Beim Corporate Carsharing teilen sich Beschäftigte eines Unternehmens einen gemeinsamen Pool von Fahrzeugen, den sie per App oder Webseite buchen. Der Pool kann dem Unternehmen gehören, von einem Anbieter gestellt werden oder beides. Der Bundesverband CarSharing sieht Carsharing allgemein als Alternative zu einem privaten Pkw oder Geschäftsfahrzeug.