Privates Carsharing in Deutschland: Anbieter, Versicherung und Auto vermieten von Getaround bis Turo
Ein Auto steht im Schnitt rund 23 Stunden am Tag still, sagt der Bundesverband CarSharing. Privates Carsharing setzt genau dort an: Wer sein Auto vermietet, lässt es arbeiten, und wer eines braucht, findet statt der Station um die Ecke den Wagen des Nachbarn. Das klingt nach der einfachsten Lösung für beide Seiten. In der Praxis hängt sie an drei Fragen: welche Plattform es noch gibt, wie die Versicherung greift und was ein Halter beim Auto vermieten beachten muss. Privates Carsharing Anbieter sind Plattformen, die Halter und Mieter zusammenbringen und Versicherung sowie Zahlung abwickeln.
Was privates Carsharing von klassischem Carsharing unterscheidet
Der bcs führt Peer-to-Peer als eigene Variante neben stationsbasiertem, stationsunabhängigem und kombiniertem Carsharing: ein Fahrzeug im Besitz einer Privatperson, das zugleich zum Teilen angeboten wird, meist über Internetplattformen oder im Nachbarschaftsverbund. Der Unterschied zur Rahmenvereinbarung bei den großen Anbietern liegt im Zugang: Nach der bcs-Definition von 2024 verlangt Carsharing im engeren Sinn, dass Nutzer Fahrzeuge „jederzeit selbständig“ buchen und nutzen können. Beim privaten Carsharing gibt der Besitzer dagegen jede Anmietung frei. Das macht den Ablauf langsamer, denn der Eigentümer muss zustimmen, und Abholung und Rückgabe richten sich nach seinem Terminkalender.
Plattformen vermitteln die Buchung und bieten nach Angaben von ERGO Versicherungsschutz, die Übergabe findet je nach System persönlich statt. Eine Variante ohne persönliche Übergabe führte Drivy im März 2016 in Berlin ein: Drivy Open baute in ausgewählte Autos eine Box ein, mit der sich das Fahrzeug per Smartphone öffnen ließ, und zwar nur durch den Mieter und nur im vom Besitzer genehmigten Zeitraum. Das Prinzip steht in der Meldung zu Drivy ohne Schlüsselübergabe.
Die Abgrenzung zu den Anbietern mit eigener Flotte steht in der Übersicht zu den Carsharing-Varianten, die Grundlagen im Beitrag Was ist Carsharing.
So läuft eine Vermietung ab: Übergabe und Dokumentation
Beim privaten Carsharing gibt es keine Station und keinen Fahrzeugpool, sondern eine Absprache zwischen zwei Personen, die die Plattform strukturiert. Der Ratgeber von web.de beschreibt (Stand Januar 2018) den üblichen Ablauf: Vor der Fahrt prüft der Vermieter den Führerschein, beide halten Kilometerstand, Tankfüllung und vorhandene Schäden fest, am besten mit Fotos, und bei der Rückgabe wird alles erneut verglichen. Die Dokumentation schützt beide Seiten, denn sie legt fest, wer für einen Kratzer verantwortlich ist, und ersetzt im Streitfall die Erinnerung. Wer das Auto per Box ohne persönliche Übergabe vermietet, wie es Drivy Open vorsah, verlagert diese Prüfung auf Fotos in der App.
Hinzu kommen praktische Fragen, die ein klassischer Anbieter mit eigener Flotte den Nutzern abnimmt: Wer reinigt das Auto, wer tankt nach, was passiert bei verspäteter Rückgabe? Beim klassischen Carsharing sind Kraftstoff oder Strom und Versicherung im Tarif enthalten, beim privaten Carsharing regeln das die Plattformbedingungen und die Absprache. Der Preis ist deshalb schwerer zu vergleichen als im Preisindex.
Privates Carsharing Anbieter: Getaround, Turo und weitere Plattformen
Der Markt für private Vermittler hat sich seit 2018 mehrfach verschoben. Drei Stationen: Welche privates Carsharing Anbieter in Deutschland aktiv sind, hat sich in den letzten Jahren mehrfach verschoben.
- Turo startete 2018 in Deutschland und meldete im Januar 2020 für das Jahr 2019 rund 4.900 vermietete Fahrzeuge (plus 157 Prozent) und mehr als 110.000 Nutzer (plus 117 Prozent). Die Fahrzeuge wurden im Schnitt 2,9 Tage ausgeliehen, 29 Prozent der Buchungen dauerten drei Tage oder länger. Die Meldung zu zwei Jahren Turo in Deutschland enthält die Zahlen im Detail, sie stammen vom Unternehmen selbst.
- Drivy, mit Sitz in Paris und nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Nutzern, wurde im April 2019 von Getaround für 300 Millionen US-Dollar übernommen. Zusammen kamen beide auf mehr als fünf Millionen Kunden und 300 Städte in den USA und Europa, darunter auch Deutschland, wie die Meldung zur Übernahme von Drivy durch Getaround festhält.
- tamyca gehörte nach der Untersuchung der Stiftung Warentest von 2015 zu den drei untersuchten deutschen Portalen, neben Drivy und CarUnity. Die Tester bemängelten Geschäftsbedingungen von 17 bis 22 Seiten, bei tamyca und CarUnity einen Selbstbehalt von 500 Euro (1.000 Euro bei Autos über 15 Jahren), bei Drivy mindestens 800 Euro. AUTO BILD nannte im März 2020 neben Drivy und tamyca auch SnappCar als Vermittler.
Eine Momentaufnahme liefert der Ratgeber von web.de mit Stand Januar 2018: Danach nannte Turo 5 Millionen Kunden und 200.000 Fahrzeuge weltweit, Snappcar 400.000 Kunden und 50.000 Fahrzeuge, bei Drivy kostete ein Auto im Schnitt 30 Euro pro Tag plus Kraftstoff. CarUnity war in Snappcar aufgegangen, Croove von Turo übernommen worden. Die Angaben sind acht Jahre alt und dienen nur als Hinweis darauf, wie schnell sich der Markt sortiert hat.
Bei Turo fällt der Fahrzeugmix auf: Nach der Mitteilung vom Januar 2020 waren fünf Prozent der gelisteten Pkw Elektro- oder Hybridfahrzeuge, während deren Anteil an den zugelassenen Autos in Deutschland 0,9 Prozent betrug. Tesla lag unter den fünf beliebtesten Marken, VW an der Spitze vor BMW und Mercedes-Benz. Turo-Deutschlandchef Marcus Riecke sah in dem Modell einen Beitrag zur Verkehrswende, weil „kein einziges neues Auto auf die Straße kommt“. Das ist die Position des Unternehmens, eine unabhängige Prüfung der Aussage liegt nicht vor.
Wie es heute aussieht, ist weniger klar. Getaround nennt auf der Startseite Frankreich, Norwegen, Spanien und Belgien, Deutschland steht im Oktober 2026 nicht in der Liste, und getaround.com/de leitet auf die globale Seite weiter. Zum heutigen Stand von Turo und tamyca liegen keine Angaben vor. Wer privates Carsharing nutzen will, prüft deshalb vor der Registrierung auf der Anbieterseite, ob Deutschland und die eigene Stadt tatsächlich bedient werden, und liest die Bedingungen. Die bcs-Kennzahlen 2026, die auf dieser Seite verwendet werden, enthalten keine Zahl zu Peer-to-Peer-Angeboten, eine belastbare Bundeszahl für Fahrzeuge oder Nutzer gibt es hier nicht.
Preise lassen sich nicht vergleichen, denn die Halter legen sie selbst fest. Der Preisindex führt Getaround deshalb nicht, ebenso wenig wie die Tarife der klassischen Anbieter aus dem Anbietervergleich. Die Kostenlogik des klassischen Carsharings erklärt die Seite zu den Carsharing Kosten.
Versicherung beim privaten Carsharing: Halter und Mieter
Beim privaten Carsharing ist die Versicherung der heikelste Punkt und der, an dem die meisten Missverständnisse hängen. Zwei Ebenen sind zu unterscheiden: die Kfz-Versicherung des Halters und der Schutz, den die Plattform zusätzlich abschließt.
Die eigene Kfz-Versicherung. ERGO weist darauf hin, dass Autoversicherungen nur dann regulieren, wenn der Fahrerkreis offengehalten ist. Die meisten privaten Verträge beschränken den Schutz auf den Halter und ausgewählte Familienmitglieder. Wer als Alleinfahrer eingetragen ist und dennoch verleiht, riskiert nach ERGO-Angaben den Versicherungsschutz. Auch Allianz rät, vor dem Verleih beim Kfz-Versicherer nachzufragen und den Schutz anzupassen. Bei regelmäßigem Verleih ist laut Allianz in der Regel eine Fahrerkreiserweiterung nötig, und für privat geteilte Fahrzeuge sei eine Vollkasko sinnvoll, weil sie selbst verursachte Schäden abdeckt.
Der Plattformschutz. Nach Angaben von ERGO bieten viele Plattformen registrierten Haltern weitreichenden Versicherungsschutz. Mieter bekommen ihn in der Regel automatisch, und die Schadenfreiheitsklasse des Halters bleibt dabei unberührt. Die Details stehen in den Bedingungen der jeweiligen Plattform, und die Stiftung Warentest hat 2015 gezeigt, warum man sie lesen sollte: Drivy drohte damals bei verspäteter Rückgabe oder überschrittener Kilometerzahl mit dem Entzug des Versicherungsschutzes, und tamyca sowie CarUnity verlangten nicht erstattbare Pauschalen auch dann, wenn durch eine Stornierung kein Schaden entstanden war. Die Zahlen stammen von 2015, der Prüfauftrag bleibt derselbe: Selbstbehalt, Stornopauschalen und Rückgabefristen stehen in den aktuellen Bedingungen.
Verivox ergänzt Punkte, die in der Praxis wichtig sind. Wer privat vermietet, braucht zumindest eine Kfz-Haftpflichtversicherung und muss den erweiterten Fahrerkreis dem Versicherer melden, was den Beitrag erhöhen kann. Verursacht ein Mieter einen Unfall, droht die Hochstufung der Schadenfreiheitsklasse des Halters, deshalb sollte die Vereinbarung klären, wer die Folgekosten trägt. Auf Plattformen schließen Mieter nach Verivox-Angabe eine befristete Zusatzversicherung ab, die bei etwa zehn Euro beginnt, und die üblichen Selbstbeteiligungen liegen zwischen 500 und 1.500 Euro. ERGO sieht das bei Plattformvermietung etwas anders und nennt die Schadenfreiheitsklasse des Halters in diesem Fall unberührt. Den Unterschied klären nur die Bedingungen der jeweiligen Plattform.
Wie die Haftung im klassischen Carsharing geregelt ist, steht auf der Seite zur Carsharing-Versicherung.
Auto vermieten: was Halter vorher klären sollten
Wer sein Auto vermieten will, hat vor der ersten Buchung ein paar Hausaufgaben. Die erste ist die Versicherung wie oben beschrieben. Die zweite ist die rechtliche Einordnung: Der Bundesverband der Autovermieter (BAV) hat bereits 2012 die Frage gestellt, ob Privatpersonen, die ihr Auto dauerhaft und mit Gewinnabsicht anbieten, als gewerbliche Vermieter gelten, ob sie sich bei den Behörden melden müssen und ob Einnahmen zu versteuern sind. Der Verband forderte, privates Carsharing denselben Regeln zu unterwerfen wie die gewerbliche Vermietung. Wer regelmäßig sein Auto vermieten will, klärt die steuerliche Seite besser vorab mit Steuerberater oder Finanzamt.
Zur steuerlichen Seite nennt Verivox, dass gelegentliche Einnahmen unter 256 Euro im Jahr steuerfrei bleiben, bei Überschreiten aber der gesamte Betrag steuerpflichtig wird. Wer regelmäßig vermietet, braucht nach dieser Quelle eine Zulassung als Selbstfahrervermietfahrzeug, was die Versicherung verteuert. Das ist eine Einordnung, keine Steuerberatung, im Einzelfall entscheidet das Finanzamt.
Der BAV hat 2012 zudem auf die Fahrzeugqualität hingewiesen. Seine Kritik: Privat vermietete Autos seien teils zehn bis 18 Jahre alt und hätten mehr als 200.000 Kilometer gefahren, ohne dass die Auflagen für die gewerbliche Vermietung gälten, etwa jährliche technische Prüfungen und die vorgeschriebene Spezialversicherung. Der Verband vertritt gewerbliche Vermieter, die Kritik ist also auch eine Wettbewerbsposition, sie benennt aber die Punkte, die Mieter beim Fahrzeug selbst prüfen können: Alter, Laufleistung und Zustand.
Die dritte Hausaufgabe betrifft die Zahlen. Turo gab für 2019 an, dass Vermieter in Deutschland im Schnitt 258 Euro im Monat verdienten. Das ist eine Unternehmensangabe, die sich auf ein Jahr bezieht, in dem die Plattform stark wuchs, und kein Versprechen für heute. Auf der anderen Seite stehen Kosten, die nicht in der Rechnung auftauchen: Reinigung, Verschleiß und der Selbstbehalt im Schadenfall. Wer sein Auto nur selten selbst nutzt, kann mit privatem Carsharing einen Teil der Haltungskosten decken, und wer es täglich braucht, hat dafür wenig Spielraum.
Für Mieter gilt das Spiegelbild: Der Mietpreis allein sagt wenig, Selbstbehalt, Stornopauschale und Plattformgebühr gehören in den Vergleich. Genau diese Posten hat die Stiftung Warentest 2015 bei den Portalen geprüft.
Häufige Fragen
Was ist privates Carsharing?
Beim privaten Carsharing, in der Fachsprache Peer-to-Peer, vermietet eine Privatperson ihr eigenes Auto über eine Plattform oder im Bekanntenkreis an andere. Der Bundesverband CarSharing beschreibt es als ein von einer Privatperson besessenes Fahrzeug, das zugleich zum Teilen angeboten wird. Anders als beim klassischen Carsharing muss der Besitzer meist jede Buchung freigeben.
Ist Getaround in Deutschland verfügbar?
Auf der Startseite nennt Getaround Frankreich, Norwegen, Spanien und Belgien, Deutschland steht dort am 5. Oktober 2026 nicht in der Liste. Die deutsche Adresse getaround.com/de leitet auf die globale Seite weiter. Getaround hatte 2019 den Marktplatz Drivy übernommen, der zuvor auch in Deutschland aktiv war. Aktuelle Verfügbarkeit bitte direkt beim Anbieter prüfen.
Wer zahlt, wenn beim privaten Carsharing ein Schaden entsteht?
Das regeln Plattform und Versicherungsvertrag. Viele Plattformen bieten registrierten Haltern nach Angaben von ERGO weitreichenden Versicherungsschutz, Mieter erhalten ihn in der Regel automatisch. Bei Schäden gilt meist ein Selbstbehalt, den die Plattform festlegt. Wer außerhalb einer Plattform verleiht, muss vorher den Fahrerkreis seiner eigenen Kfz-Versicherung prüfen.
Kann ich mein Auto vermieten, ohne die Versicherung zu informieren?
Davon raten Versicherer ab. ERGO weist darauf hin, dass Halter, die als Alleinfahrer eingetragen sind, ihren Versicherungsschutz riskieren, wenn sie das Auto verleihen. Allianz empfiehlt, vorab mit dem Kfz-Versicherer zu sprechen, die Fahrerkreiserweiterung zu klären und für privat geteilte Fahrzeuge eine Vollkasko in Betracht zu ziehen.
Wie viel kann ich mit privatem Carsharing verdienen?
Eine feste Zahl gibt es nicht, die Preise legen die Halter selbst fest. Turo meldete im Januar 2020 für Deutschland, dass Vermieter im Schnitt 258 Euro im Monat verdienten, bei durchschnittlich 2,9 Tagen Mietdauer. Das ist eine Angabe des Unternehmens aus dem Jahr 2019, keine aktuelle Marktzahl. Einnahmen können steuerlich relevant sein.